SCHREBI     die Unglaubliche     (*199x - 23.08.2010)    

 


Im Winter 2004 waren wir gerade dabei, eine große Anzahl meist sehr scheuer Katzen in einem Schrebergartengebiet nahe einer stark befahrenen Bundesstraße einzufangen. Die meisten Tiere waren so scheu, dass uns dies erst nach mehreren Versuchen gelang. Manche jedoch waren an Menschen gewöhnt, weil sie von bestimmten Gartenbesitzern gefüttert wurden, aber trotzdem scheu Fremden gegenüber. Eine kleine zierliche schwarze Katze machte da eine gehörige Ausnahme. Sie umstrich meine Beine, blickte mit großen Augen zu mir hoch und schnurrte laut und eindringlich. Als ich mich in die Hocke begab, um sie zu streicheln, kletterte sie auf meinen Schoß. Da sie auch zu den einzufangenden Katzen gehörte, war es ein Leichtes, sie in einen Transportkorb zu verfrachten und zu mir nach Hause zu bringen, wo nach und nach ein Teil der Schrebergartenkatzen landeten, bevor sie medizinisch versorgt und vermittelt wurden. Wir nannten sie Schrebergartenkatze oder kurz
SCHREBI.
 

SCHREBI war auf Anhieb “per Du” mit allen anderen ihrer Artgenossen bei uns im Haus, die sie widerspruchslos als ranghöchstes Tier akzeptierten. Wenn SCHREBI fressen wollte, traten alle anderen zurück und ließen sie vor. Wenn SCHREBI auf einen bestimmten Platz wollte, wurde er geräumt. Wenn SCHREBI kam, wichen alle anderen zur Seite. Und SCHREBCHEN tat nichts, um dies zu fordern; ihre bloße Anwesenheit, ihr Auftreten und ihre ruhige Art schienen Autorität auszustrahlen. Obwohl sie so klein und zierlich war, war sie auf Anhieb Chef im Haus, ohne dies jedoch in irgendeiner Art und Weise auszuspielen oder auszunutzen.

Es war einfach unglaublich!

Unglaublich war auch, wie sie ihren Menschen begegnete. Sie lag immer auf Tuchfühlung mit einem von uns, ja, sie kletterte sogar bis zum Gesicht hoch, um ihre feuchte Schnauze immer wieder hinein zu stupsen. Kriegte sie die Hand zu fassen, betrieb sie ausgiebiges „Liebesknabbern“ an den  Fingern, ganz zart und liebevoll.


SCHREBI, die kleine Schwarze mit den kurzen Beinchen und dem Mini-Schwänzchen hatte es unserem
PHANTOM ganz besonders angetan. Er hatte nur noch Augen für sie, und wenn eine andere Katze ihr zu nahe kam, stellte er sich dazwischen, als wolle er sie beschützen. Fortan hatte ich dann regelmäßig beide gemeinsam auf meinem Schoß in friedlicher Eintracht,  ich konnte mich dann kaum bewegen, aber das nahm ich in Kauf.

SCHREBI ging nach nur einer Woche Zwangsarrest im Haus schon raus mit den anderen. Ich war mir sicher, dass sie nicht abhauen würde, und das kam für sie wohl auch nicht in Frage. Ein Rufen nach ihr genügte, und sie war da.
 

Etwa 6 Wochen später ergab die tierärztliche Untersuchung, die wir vorsichtshalber mit allen fremden Katzen durchführen, dass sie zwei bis vier Jahre alt war, bereits früher Babys gehabt hatte, kerngesund war und jetzt wieder tragend

Ein Kastrieren zu diesem Zeitpunkt kam für uns nicht in Frage.

Sie sollte erst ihre Babys bekommen, dann würden wir den Eingriff schnellstmöglich machen lassen.

Bald danach konnten wir sehen, wie sich ihr Bäuchlein rundete und sie träger und unbeweglicher wurde. Ihre Autorität blieb nach wie vor unverändert und ihre Anhänglichkeit auch. Sie genoss es besonders, über den dicken Bauch gestreichelt zu werden, wobei sie laut und ausdauernd schnurrte.

Mir fiel auf, dass ich wegen ihrer Art und Ausstrahlung öfter das Wort „unglaublich“ benutzte, weshalb sie zu diesem Zeitpunkt den Beinamen „die Unglaubliche“ bekam. Sie war wirklich einfach unglaublich!
 

Und dann kam der (link--->) 14. Februar 2005, Valentinstag, der Tag der Liebe. Zwischen etwa 13:00 Uhr und 14:30 Uhr gebar sie sechs Babys! Und während der ganzen Zeit trippelte sie mit vier Pfoten, schnurrte ununterbrochen und leckte meine helfenden Hände. Unglaubliche SCHREBI!

SCHREBI zog ihre sechs Kinder (mit meiner Unterstützunmg) sehr gewissenhaft und routiniert auf.

Alle konnten in liebevolle Hände vermittelt werden.  
 

 
     
 


Wir wurden durch SCHREBI daran erinnert, Werte wie Toleranz, Großmut oder Liebe wieder zu schätzen, zu fördern und zu erhalten. Deshalb darf SCHREBI die Unglaubliche (inzwischen längst kastriert) für immer bei uns bleiben.

 
(Sept. 2006)

Danke, unglaubliche Schrebi,
dass
du uns für dich
ausgesucht hast.
 

NACHTRAG vom 16.09.2010:
 

 

Bereits im September 2007, also vor etwa drei Jahren, erkrankte SCHREBI an heftigem Katzenschnupfen, obwohl sie regelmäßig geimpft worden war. Sie litt unter heftigen Niesanfällen, die sie sehr schwächten und letztlich auch die Futteraufnahme verhinderten. So wurde sie in die tierärztliche Klinik verbracht, wo man sie dort behielt und feststellte, dass im gesamten Nasen-/Rachenraum eitrige Läsionen vorhanden waren, die sich nicht nur im kompletten Rachen, sondern sogar über die Speiseröhre und die Luftröhre ausgebreitet hatten. SCHREBI bekam eine Nasenschlundsonde, über die sie künstlich ernährt werden musste. Im Laufe von mehreren Wochen, in denen SCHREBI zum Liebling des Klinikpersonals aufstieg, wurde die gesamte Palette an Medikamenten ausprobiert, aber nichts half. Die Niesanfälle blieben, sie konnte nicht eigenständig fressen, wurde weiter über die Schlundsonde ernährt und alle waren ratlos. Vier weitere unserer Katzen hatten die gleichen Symptome, wenn auch nicht ganz so heftig, und waren nach wenigen Tagen bzw. Wochen wieder genesen. Nur SCHREBI nicht. Offensichtlich handelte es sich um eine Infektion mit bestimmten Calizivirenstämmen, die nicht in den Impfungen enthalten sind und gegen die es keine durchgreifenden Medikamente gibt.

Ende Oktober waren die tierärztlichen Behandlungsmöglichkeiten erschöpft, SCHREBI wurde nach Hause entlassen, wo ich die Eingabe des Futters über Nasenschlundsonde selbst vornehmen konnte. Aber durch die noch immer heftigen Niesanfälle mit schleimigem Auswurf flog die Sonde immer wieder raus, und fressen konnte sie noch nicht alleine. Also, was tun? Da erfuhr ich, buchstäblich im letzten Moment, von einem neuen Langzeitantibiotikum, dass eventuell helfen könnte. Es war die letzte Chance für SCHREBI, und die wollte ich unbedingt nutzen. Sollte dieses Medikament auch nicht greifen, kann man sie immer noch erlösen. Aber diese letzte Chance sollte sie noch bekommen!

Ich telefonierte mit mehreren Tierärzten, fand eine Tierärztin, die das (sehr teure) Medikament vorrätig hatte und brachte SCHREBI dort hin, wo sie ihre letzte Spritze bekam. Dann hoffen und bangen! Aber das Schicksal meinte es gut mit SCHREBI, bereits wenige Stunden nach der Spritze fing SCHREBI an, ihr normales Katzenfutter zu fressen. Von da an ging's bergauf und ich war unsäglich erleichtert. Das Medikament wurde 12 Tage später nachgespritzt und SCHREBI war jeden Tag besser drauf. Sie nahm wieder zu, nahm am Leben teil, eigentlich wieder ganz normal, nur behielt sie einen chronischen Katzenschnupfen zurück.

Ich versuchte später auch mit alternativen Heilmethoden diesen chronischen Schnupfen in den Griff zu kriegen, aber nichts half. Einmal im Jahr bekam sie eine "Kur" mit zwei Spritzen des Langzeitantibiotikums, das ihr das Leben gerettet hatte, aber selbst das half nur bedingt für kurze Zeit. SCHREBI lebte zwar relativ "normal" weiter, machte uns nach wie vor große Freude und begeisterte mit ihrer aufdringlichen Art sämtliche Besucher, aber der chronische Katzenschnupfen wurde von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr schleichend schlimmer.
 

Am 26. Juli 2010, nachdem ich seit Monaten SCHREBIs Augen und Nase mehrfach täglich säubern musste, damit sie überhaupt Luft bekam, und nachdem sie bereits seit zwei Wochen heftigen Durchfall hatte, brachte ich sie wieder in die Klinik, damit man ihr vielleicht irgendwie helfen und das Leben erleichtern kann. Wie wusste ich selbst nicht. Aber die so liebe und geduldige SCHREBI tat mir unsagbar leid.

SCHREBI bekam nun täglich Spritzen, ein "Cocktail"  aus herkömmlichen und aus homöopathischen Mitteln, um die verschiedenen Baustellen zu behandeln. Sie durfte außerdem nur Spezialfutter bekommen wegen des Durchfalls. Das große Blutbild gab keinen Grund zur Sorge, alle Werte waren im Normbereich, selbst der Nierenwert oder der Schilddrüsenwert. Aber SCHREBI wurde immer weniger. Sie magerte ab, bekam schlecht Luft und hatte zeitweise noch immer Durchfall, den sie wie Wasser verlor.

Dann folgten drei Ereignisse kurz hintereinander, die mich tief beeindruckten. Zum einen schien SCHREBI verwirrt zu sein: sie stand mit allen vier Pfoten bis zum Bauch in der Spüle mit Wasser, wo ich Teller eingeweicht hatte, und schien es nicht zu bemerken; am folgenden Tag klingelte unser Nachbar, ich soll mal schnell kommen, da sei eine Katze, mit der stimme etwas nicht. Es war unsere SCHREBI, die seine Holzterrasse ableckte. Das dritte Ereignis fiel mir in diesem Moment wieder ein: wenige Tage zuvor hatte ich einen alten, wilden Kater in der Falle gefangen, der vom Allgemeinzustand kaum schlechter war als SCHREBI. Der wurde erlöst, nur bei SCHREBI musste ich wohl Scheuklappen gehabt haben!

 
Nachdem ich sie beim Nachbar abgeholt und im Haus verwahrt hatte lief sie die ganze Nacht von einer Tür zur nächsten und jammerte, weil sie wieder raus wollte. Das hatte sie noch nie gemacht! Ich war mir also im Klaren darüber, dass sie nicht nur raus, sondern sich auch verkriechen wollte zum Sterben. Das galt es zu verhindern, und am 23. August 2010 bat ich unter Tränen beim Tierarzt um einen Termin zur Euthanasie.

SCHREBI, die ehemals rund 3,5 kg wog, war auf weniger als drei Pfund abgemagert, der Allgemeinzustand war mehr als nur schlecht und der Tierarzt meinte, sie wäre die nächsten ein oder zwei Tage sowieso gestorben.....

SCHREBI, wir danken dir für die schönen Jahre, die wir mit dir und durch dich haben durften.
Du lebst in deinen Kindern weiter und tief in unseren Herzen.