NICO vom VOGELPARK  †        (*10/2000 – 04/2005)  

 


Es war eher ein Zufall, dass wir NICO entdeckten, normalerweise hätten wir wohl nicht erfahren, dass in einem nahe gelegenen öffentlichen Vogelpark bereits seit Jahren eine große Anzahl von verwilderten Hauskatzen lebte, die sich von dem ernährte, was ihnen Besucher zurückließen.  Ganz in der Nähe war im Januar 2001 unser Kater
FRITZ PIESEL entlaufen, und wir entdeckten den etwa 3 Monate alten grau-braun getigerten jungen Kater etwas abseits alleine auf einer Plastikplane sitzend.

Er ließ sich sofort anfassen und wärmte sich laut schnurrend unter meiner Winterjacke auf, bevor ich ihn wieder zurück setzte und meiner weiteren Suche nach FRITZ PIESEL nachging. Dabei erfuhr ich von einigen Angestellten des Parks, dass erstens unser Kater nicht gesehen worden war, und dass zweitens der kleine Graue mit sechs weiteren Geschwistern und etlichen anderen Katzen dort wild lebte.

Wir beschlossen also mit Einverständnis des Vogelparkbetreibers, die Katzen einzufangen, was wir später auch taten, und besonders den kleinen grauen Kater als neuen Kumpel für unsere JIFFY gleich mitzunehmen, die sehr darunter zu leiden schien, dass sie zu dieser Zeit keine andere Katze zum Spielen hatte.

Am nächsten Tag fuhr ich also zurück zum Vogelpark, wo das Katerchen auf der gleichen Stelle saß wie am Vortag. Nur ließ er sich dieses Mal nicht hochnehmen, im Gegenteil, er fauchte mich an und verschwand irgendwo zwischen den dort gelagerten Baumaterialien.

Also gut, versuchen wir es mit Futter! Das funktioniert eigentlich immer.

Am Folgetag stellten wir ein Schälchen Futter in seine unmittelbare Nähe, was ihm sicherlich „gerade recht“ kam. Er ging allerdings mehrmals zum Fressnapf, „stahl“ sich dann jeweils einen Brocken daraus und lief damit wieder in die sichere Deckung, wo er das Futter vertilgte. Wieder keine Chance, ihn greifen zu können, aber wenigstens wurde er satt!

Dann kam uns zwei Tage später seine Unerfahrenheit zu Hilfe. Als er nämlich versuchte, das komplette Futterschälchen samt Inhalt weg zu tragen, verlor er das Futter unterwegs, kam zurück, um es zu holen, und wir konnten ihn zu fassen kriegen! Dann nahmen wir ihn mit nach Hause, gaben ihm den Namen NICO und stellten ihn der neunmonatigen JIFFY als zukünftigen Freund vor.

Das klappte zwar nicht wie geplant, weil die junge Dame nichts von ihm wissen wollte, NICO fühlte sich aber dennoch wohl bei uns und stromerte schon bald ausgiebig im Garten und den Feldern umher.


Kurze Zeit später aber entdeckte er wohl seine eigentliche Bestimmung in der Adoption der kleinen
TIGER LILLY, die wir im Mai 2001 dazu bekamen. Wie aufmerksam und sorgsam gerade Kater mit den Kleinen umgehen, hatten wir ja am Beispiel von ONKEL AUGUST bereits miterleben dürfen. Und NICO stand diesem in nichts nach! Wenn LILLY nicht gerade schlief, war sie nur noch in Begleitung von NICO zu sehen, und selbst, wenn sie schlief, lag er oft dabei und putzte und leckte sie.
 

NICO und seine TIGER LILLY toben ausgelassen miteinander


Am 11. August des Folgejahres, NICO war gerade mal knapp 2 Jahre alt, kam er merkwürdig verstört und auf drei Beinen laufend nach Hause. Er legte sich auf mein Bett und leckte das verletzte rechte Hinterbein. Er ließ mich nicht nachschauen, welche Verletzung genau und wie schlimm sie war. Er knurrte und fauchte und hatte offensichtlich sogar Angst vor mir. Ich konnte trotzdem sehen, dass das Fell etwa vom Gelenk an bis fast runter zur Pfote aufgerissen war, teilweise fehlte und merkwürdige kreisrunde Stellen zu sehen waren. Da die Verletzung nicht sehr tief war, und er sie selbst pflegte, wartete ich zunächst den folgenden Tag ab.

Nur leider war NICO an diesem folgenden Tag, einem Sonntag, verschwunden, und alles Rufen und Suchen brachte nichts. Die Verletzung musste also doch so schlimm sein, dass er sich lieber nach Draußen in irgend ein Versteck begab, wie es nun mal Katzenart ist. Jetzt wuchsen meine Sorgen ins Unermessliche. Was, wenn wir ihn nicht rechtzeitig finden?

In der Nacht zum Montag fand ich ihn schließlich apathisch im Garten liegend. Er ließ sich widerstandslos hochnehmen und ins Haus tragen, sodass ich das Bein näher untersuchen konnte. Was mir bislang verborgen geblieben war, war die Tatsache, dass an der Innenseite des Beinchens schwerwiegendere offene Stellen waren, als an der Außenseite. Zudem hatte er noch knapp 41° Fieber, und die Innenwunden eiterten bereits.

Er blieb einige Tage in der Obhut des Tierarztes und wurde dort bestens versorgt, aber er war anschließend nie mehr derselbe unbedarfte Kater, den wir kannten. Er wurde scheu und ängstlich, manchmal sogar aggressiv gegenüber seinen Menschen. Alle Anzeichen seiner veränderten Psyche und natürlich auch die erlittene Art der Verletzungen machten da eine deutliche Aussage. Wir konnten uns nur die Erklärung geben, dass er wohl noch im letzten Moment einem Tierfänger entwischt war!

Zu welchem Preis sollten wir erst einige Zeit später erfahren!

NICO hatte sich bis zu seinem Tod nie wieder richtig von diesem Schock erholt. Er ging zwar nach wie vor nach Draußen, verbrachte aber weit mehr Zeit im Haus. Er hatte keine Lust mehr, zu spielen oder sich um seine LILLY zu kümmern. Es schien, als sei er schlagartig erwachsen geworden. Er lebte einfach so „vor sich hin“.

 

Gut drei Jahre nach diesem Vorfall, am 23.04.2005, fanden unsere Nachbarn den toten NICO in ihrem Garten. Er lag versteckt zwischen Zaun und ein paar daran angelehnten Dachziegeln.

Es gab keinerlei Anzeichen für seinen plötzlichen Tod, er war offensichtlich unverletzt, und auch eine Vergiftung oder Schussverletzung konnten wir ausschließen. Aber es ließ uns keine Ruhe, wir mussten seine Todesursache wissen!

Wir ließen ihn also obduzieren und fanden heraus, dass er an einer Sepsis (Blutvergiftung) aufgrund von einem riesigen Eiterabszess in seinem Brustraum gestorben war. Nichts deutete auf eine Verletzung hin, die das verursacht haben könnte, wie auch andere Möglichkeiten und speziell FIP als Ursache ausschieden. Die einzige Erklärung war, dass dies als Spätfolge des damaligen „Unfalls“ zu sehen war, was auch seine fast leidende Art seit diesem Tag erklären könnte.
 


 

Wir wissen bis heute nicht genau, was damals wirklich passiert war, und wieso NICO so plötzlich

ohne vorherige Anzeichen mit nur 4 1/2  Jahren verstarb. Aber

wir wissen, dass wir ihn schrecklich vermissen!

 

(Sept. 2006)