MONA
*4/1999 - 10.06.2011
und
LISA
*4/1999
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Nachdem im Januar des Jahres
2000 mein Mäusefänger
MAX von uns gegangen war, und sich daraufhin die kleinen grauen
Tierchen in meinem Pferdestall fleißig vermehrten, ja sogar Nester in den
Futterkisten bauten, wollte ich wieder eine Katze oder zwei bei mir im
Stall aufnehmen. Da es viele Wildfänge in den Tierheimen gibt, die kaum vermittelbar sind, weil nicht zutraulich, und die vermutlich auch nie Schmusekatzen werden, bot es sich an, auf dem riesengroßen Grundstück meines Stalles mit Scheune und anderen Schlaf- und Versteckmöglichkeiten, sowie meiner regelmäßigen Versorgung, solchen "Wilden" die Freiheit wieder zu geben. Meine Wahl fiel auf zwei einjährige Geschwister. Sie waren am 3. Sept. 1999 halbjährig aus einer Wildpopulation eingefangen, kastriert und geimpft worden und litten seither im Tierheim unter dem Verlust ihrer Freiheit. Trotz bester Versorgung und aller Bemühungen, sie zum Spielen zu animieren, blieben sie im wahrsten Sinne des Wortes unnahbar.
Ich entschied mich also für
genau diese beiden, die eigentlich TONI und PAULA hießen, und
wunderschöne, sehr scheue, aber "friedliche" Kätzinnen waren. Im Stall
bereitete ich eine leere Pferdebox für die beiden vor, wo sie die ersten
Tage verbringen sollten, machte alles gewissenhaft "ausbruchssicher" und
holte sie schließlich am 1. März 2000 in ihr neues Zuhause.
Mit dem Umzug wurden sie auch umbenannt in MONA und LISA. |
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Tagsüber versuchte ich mehrfach, sie aus ihrer Höhle zu locken, indem ich mit allen möglichen und unmöglichen Spielzeugen anrückte. Aber vergeblich. Die zweite Nacht glich der ersten, nur blickten sie mich nicht mehr ganz so ängstlich an, als ich am folgenden Morgen zur Pferde- und Katzenfütterung kam. Am dritten Morgen jedoch war die Schlafhöhle leer, die Pferdebox leer, der ganze Stall ohne eine Spur von MONA und LISA! Mir war klar, dass die Überwindung der Gitter ihrer Box kein wesentliches Hindernis war, aber dass sie aus dem Stand die 2,80 Meter nach oben auf den Heuboden schaffen würden, hatte ich nicht vermutet. Und doch muss es so gewesen sein. Vom Heuboden aus konnten sie noch bequem hinaus ins Freie, und dann, ja, was dann? Dass Rufen und Suchen nichts bringen würde, wusste ich, ich tat es trotzdem! Natürlich ohne Erfolg. Mir blieb nur, oben an der Stelle am Heuboden, wo sie hochgesprungen waren, Futter aufzustellen. Vielleicht würden sie ja hierher zurück kommen! Zwei Tage später war das Futter gefressen, am Folgetag auch und die Tage danach, aber nie konnte ich eine der beiden Katzen beim Fressen oder sonst auf dem Grundstück sehen. Da ich auch einige Streuner in meinem Stall verköstigte, blieb mir nur, mich nachts auf dem Heuboden zu verstecken und mit dem ersten Schmatzen am Fressnapf die mitgebrachte Taschenlampe an zu machen. Nur so konnte ich sehen, wer denn da eigentlich mein Futter verzehrte.
Und es klappte bereits in
der ersten meiner Nachtwachen! Im Lichtkegel meiner Taschenlampe
saßen alle beiden Katzen. MONA und LISA waren also zusammen geblieben und
vor Allem noch auf dem Grundstück! Meine Freude war übergroß, hatte ich
mir doch große Gedanken gemacht. Sie ließen sich von mir und meinem Licht
auch nicht stören und fraßen weiter. Anschließend saßen sie noch am
Fressplatz und putzten sich in aller Gemütsruhe, bis sie wieder im Dunkel
verschwanden. |
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![]() MONA und LISA genießen die neue Freiheit |
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| Die folgenden Monate arbeitete ich am Vertrauensaufbau. Jeden Abend zur gleichen Zeit, „bewaffnete“ ich mit Hühnerfleisch, gekochten Schinkenscheibchen, Rinderhack, Fisch oder anderen Leckereien und warf MONA und LISA diese Köstlichkeiten vorsichtig zu. Nach wenigen Tagen erwarteten sie mich bereits und kamen mir mit hoch erhobenem Schwänzchen und Schnäuzchenlecken entgegen. Der Abstand zwischen uns wurde kleiner und kleiner, und sie trauten sich sogar, die Mitbringsel direkt aus der Hand zu nehmen! Ein Riesenerfolg! Dann wurde ihr Futterplatz erst unten in die Scheune verlegt, was dem halben Weg zum Stall entsprach, und später dann direkt in meinen Stall. Auch das klappte hervorragend. Sie kamen pünktlich zu den Mahlzeiten und ließen sich durch meine Anwesenheit nicht stören. Allerdings waren sie beide konzentriert darauf, dass ich ja nicht zwischen sie und die offene Stalltür kam. Dann rannten sie gleich raus. Auch an anfassen war noch nicht zu denken, obwohl beide gern und ausgelassen mit mir auf dem Hof spielten. Es dauerte etwa ein Jahr, bis der Verpächter meines Stalles, der dort auch wohnte, die beiden das erste Mal überhaupt zu Gesicht bekam, und es dauerte fast zwei Jahre, bis sie mir zu verstehen gaben, dass ich sie ruhig „mal kurz“ über den Rücken streicheln könnte. Von da an festigte sich unser Vertrauensverhältnis mehr und mehr, und ich beschäftigte mich weiter viel mit den beiden. Anfang 2004, also nach etwa 4 Jahren, verstarb der alte Herr, von dem ich den Stall gepachtet hatte, und ich bereitete mich auf einen Umzug zum Jahresende hin vor, wobei ich mir große Gedanken machte über das Einfangen der beiden, die ja zu mir nach Hause umziehen mussten. Dafür waren sie einfach noch zu scheu, und es würde einen Vertrauensbruch geben, wenn ich sie gewaltsam in Transportkäfige sperren und dann für eine Weile bei mir im Haus einsperren müsste. Außerdem, wenn eine der beiden mitkriegt, wie die andere eingefangen wird, wird sie das Weite suchen und sicher tagelang verschwunden sein. In Fallen würden sie nicht gehen, auch Netze kannten sie noch vom Tierheim. Wie also soll das klappen? Ein echtes Problem! Trotzdem musste es irgendwie sein, ich wollte sie ja keinesfalls unversorgt zurücklassen.
Im Oktober hatte ich dann die
beiden geöffneten Transportkisten schon mal vorsorglich in die Nähe der Futterschüsseln gestellt, damit sich MONA und LISA
daran gewöhnen konnten. Ohne irgendwelche Einfangpläne war ich dann Anfang November
nachmittags mit dem Auto in den Hof gefahren, um einige Dinge einzuräumen, als MONA in
meine Nähe kam. Sie war alleine.
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Wir hatten unseren Hobbyraum mit mehreren Schlafecken, Kratzbäumen, Spielzeug und Katzentoiletten versehen und so für die Eingewöhnung der beiden ins neue Zuhause vorbereitet. Dieser ebenerdige Raum mit rund 45 qm und zwei großen Fenstern zum Garten hin, wurde oft zur Unterbringung der Notfälle verwendet, die sich dort stets wohl fühlten, zumal ich als Bezugsperson immer in der Nähe war. Dort sollten MONA und LISA bleiben, bis sie den Wunsch, zum nur 4 km entfernten Stall zurück zu gehen, vergessen hatten. Danach lockte ja wieder die Freiheit, dieses Mal hier bei uns in den Feldern hinter dem Haus, aber das wussten sie damals natürlich noch nicht. Geduldig warteten sie im Hobbyraum das Ende ihres Zwangsarrestes ab. Tagsüber traf man sie nur dort an, nachts nutzten sie die offenen Zimmertüren, um sich im ganzen Haus umzusehen und jammerten schon Mal vor der einen oder anderen Terrassentür, weil sie raus zu den anderen wollten.
Grundsätzlich verlief aber
alles in normalen Grenzen, obwohl sie sich wohl gewaltig langweilten. Ich
nutzte natürlich jede Gelegenheit, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, nicht
nur durchs Füttern, sondern hauptsächlich durch Spiele, Streicheleinheiten
und einfach nur Zeit verbringen in ihrer Gegenwart. Dabei kamen wir uns
immer näher. MONA duldete ab und zu, dass ich sie am ganzen Körper
streichelte und, wenn sie ganz gut drauf war, präsentierte sie mir sogar
ihren Bauch zum Streicheln! Eine große Ehre für mich! Mit LISA baute sich
das Vertrauen so weit auf, dass ich sie vorsichtig, wenn sie das auch
wollte, auf meinen Schoß ziehen und dort ausgiebig schmusen konnte. Sie
zeigte dann durch Milchtritt, Sabbern und Köpfchengeben, dass es ihr
gefiel.
Unsere anderen Katzen
statteten den beiden öfter einen Besuch ab, den MONA und LISA aber durch
Nichtbeachtung quittierten. |
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Wir suchten LISA mit
allen Möglichkeiten, aber sie blieb verschwunden. |
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MONA erhielt ihr Futter dann
draußen auf der Terrasse, wo sie regelmäßig hinkam. Sie schloss sich einem
scheuen roten nicht kastrierten Kater an, der niemandem gehörte und
entsprechend „mitgenommen“ aussah. Man sah beide nur noch zusammen kommen
und gehen, und „der fremde Rote“, wie wir ihn nannten, schlug sein Lager
ebenfalls auf unserem Grundstück auf. |
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| (Sept. 2006) |
Ich habe
die Geschichte von MONA und LISA bewusst ausführlich geschrieben, weil es
der Beweis ist, dass man mit viel Liebe und Verständnis selbst sehr scheue
Tiere an sich gewöhnen kann (siehe auch
„PHANTOM“),
und dass sich die Hoffnung auf Wiederkehr eines vermissten Tieres immer
lohnt (siehe auch
„FRITZ PIESEL"). |
![]() (Feb. 2007) |
Nachtrag vom Februar 2007:
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![]() LISA wartet in der Küche auf ihr Abendessen.
(Sept. 2007) |
Nachtrag vom September 2007:
Am nächsten Tag und nochmals drei Tage später ging ich tagsüber zu besagter Scheune und rief nach LISA. Beide Male kam sie hoch erhobenen Schwänzchens aus ihrem alten Stuhl und begrüßte mich freudig. Jetzt war es klar. Sie "wohnte" die ganze Zeit in der Scheune, kam aber allabendlich zu uns, um ihr Abendessen einzunehmen, ihre Streicheleinheiten abzuholen und um sich eventuell, wenn nötig, ein paar Stunden im Haus aufzuwärmen. Sie war die ganze Zeit nur wenige hundert Meter von uns entfernt, und niemand hatte sie je dort gesehen... |
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MONA, für immer eingeschlafen.
(Mai 2011) |
Nachtrag vom Mai 2011: MONA lebt nicht mehr. Unsere Nachbarn fanden sie in ihrem Garten, nur etwa 2 Meter neben unserem Gartenzaun. Sie lag im Gras, als ob sie sich sonnen würde. Der Tod muss sie sehr plötzlich ereilt haben, sie hat sicher nicht gelitten. Im April/Mai letzten Jahres war die ehemals sehr stattliche MONA auf unter 3 kg abgemagert, und der Tierarzt stellte eine Schilddrüsen Unterfunktion fest. Unter regelmäßigen Kontrollen wurde sie auf ihre Dosis von 7,5 mg Schilddrüsenhormone eingestellt und nahm wieder auf ihr altes Gewicht von ca. 5,5 kg zu. Sie war mit den Medikamenten fit und munter; sie bekamen ihr gut. MONA war auch morgens und abends pünktlich da, um ihr Hackfleisch, in das die Tabletten eingeschmuggelt waren, ein zu nehmen. Es war eine Freude, sie wieder wohlauf zu sehen. Zuletzt gesehen haben wir sie am Mittwoch Abend, als sie wie immer gierig ihr Hackfleisch verschlang. Am Donnerstag früh kam sie trotz Rufens nicht. Abends war wieder keine MONA zu sehen, was mich schon sehr beunruhigte. Dass sie da bereits tot in Nachbars Garten lag, wusste ich nicht. Erst am Folgetag wurde sie gefunden. Dass diese Schilddrüsentabletten hoch toxisch sind und gravierende Folgeschäden verursachen wie Nierenversagen, Leberversagen, Herzversagen, wussten wir, aber wir hatten keine Wahl. Ohne diese Dinger wäre sie ebenfalls verstorben. Nur, dass es so schnell gehen würde, hatten wir nicht geahnt. Gerne hätten wir sie noch viele Jahre bei uns gehabt. Nun tröstet uns ihre Schwester LISA tagtäglich über den Verlust hinweg. Auch sie weiß, dass MONA nun im Land jenseits des Regenbogens glücklich ist. MONI, du hast uns viel Freude bereitet! Danke dafür. |