MAMA MIEZ
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(* vor 1980 –
05.11.1997)
mit MAX
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und MORITZ
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Im kalten verregneten
Spätherbst 1990 entdeckte ich sie vor der geöffneten Eingangstür
meines Pferdestalles, ganz am Ende des Ganges. Sie saß da und
blickte mit neugierigen Augen hinein. Grau-braun getigert, klein,
zierlich, sehr dünn und sehr scheu. Eigentlich ein eher hässliches
Tier mit einer platten Nase. Sie machte nicht den gepflegten
Eindruck einer Katze, die ein Zuhause hat, nein, eher den einer ein Zuhause suchenden Katze.
Sie schien noch sehr jung zu sein, und ich vermutete, dass sie von
einem der umliegenden Bauernhöfe war.
Die folgenden Tage war
sie immer da, wenn ich zu den Fütterungszeiten der Pferde erschien,
immer ein paar Zentimeter näher sitzend, aber stets fluchtbereit mit
großem Abstand zu mir. Ich beschloss, ihr die Reste unserer Katzen
mitzubringen, die wohlgenährt so einiges einfach verschmähten und
fand die Anwesenheit eines Mäusefängers im Stall gar nicht so
dumm.
Miez, wie ich sie der
Einfachheit halber nannte, schien sich auf dem Heuboden über dem
Stalltrakt aufzuhalten und kam postwendend in Sicht, kaum dass ich
im Stall erschien. Sie gewöhnte sich schnell an einen extra für sie
eingerichteten Futterplatz, und bereits im Winter durfte ich sie
beim Fressen kurz über den Rücken streicheln. Sie wurde immer
zutraulicher und erwartete mich bei meiner Ankunft bereits am
Hoftor. Ich freute mich darüber, dass sie bald gut genährt und
gepflegt aussah, und unser Vertrauensverhältnis sich enorm gefestigt
hatte.
Da sich in der Zeit,
die Miez bereits regelmäßig kam, kein Besitzer gemeldet hatte, und ich
mich für sie verantwortlich fühlte, wollte ich sie auch
kastrieren und impfen lassen. Das war so Mitte April, ein gutes
halbes Jahr nach ihrem ersten Erscheinen. Und genau zu dieser Zeit
entdeckte ich die merkwürdigen, gleichmäßig geformten „Kugeln“
rechts und links an ihrem Bauch. Zu spät! Das Kastrieren muss
warten, erst kommen die Babys!
Den Tag der Arbeit, nämlich den
1. Mai im Jahr 1991, hatte Miez wörtlich genommen, als sie nämlich
morgens um 9 Uhr zum Frühstück kam, hatte sie keine Kugeln mehr am
Bauch. Ich war total gespannt, wie viele Welpen sie zur Welt gebracht
hatte, ob sie gesund waren, wie sie aussahen und vor allem, wo sie
waren. Meine Blicke verfolgten Miez neugierig, als sie nach dem
Fressen wegging, aber sie verstand es vorzüglich, sich urplötzlich
meiner Blicke zu entziehen. Nach zwei Wochen endlich vergaß sie
sämtliche Vorsicht und führte mich direkt in das Obergeschoss eines
vom Zerfall bedrohten alten Nebengebäudes. Sie kletterte an einem
hervorstehenden Sims nach oben; ich stellte mir lieber eine Leiter
an das seit langem kaputte Fenster und blickte direkt auf die zwei
ebenfalls grau getigerten Babys, die gesund und kugelrund aussahen.
Sie lagen geschützt im Stroh auf einem löchrigen alten Lappen und
schliefen.
Fortan stellte ich das
Futter für Miez nach oben und in die Nähe der Babys. Zwei Wochen
später konnte ich beobachten, dass diese bereits davon naschten.
Miez beschloss dann eines Tages, die Kleinen nach unten zu bringen.
Mir blieb bald das Herz stehen, als ich die beiden tapsigen
Minitiger auf dem Sims etwa 2 Meter über dem Boden balancieren sah,
wo sie jammernd versuchten,
nach unten zu Miez zu kommen, die sie laut rufend
aufforderte, genau dieses auch endlich zu tun.
Ich „pflückte“ die
Kleinen vom Sims, kontrollierte bei dieser Gelegenheit den
Gesundheitszustand und das Geschlecht und setzte die beiden
Katerchen zufrieden runter zu ihrer Mama. Nun musste ich mir gleich
Namen einfallen lassen. MAX und
MORITZ
fiel mir spontan ein, nur bei Miez sollte es
etwas Besonderes sein. Immerhin
bekam sie aber schon mal den Zusatz „Mama“, also MAMA MIEZ.. |
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![]() Die alte MAMA MIEZ
zwei Monate vor ihrem gewaltsamen Tod. |
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Kurze Zeit später
wurde MAMA MIEZ kastriert, wobei der Tierarzt sie als „ältere“ Katze
bezeichnete, die schon „unzählige“ Würfe gehabt haben musste. Sie
war so „klein und fein“, dass sie auch später noch auf den ersten
Blick als junge Katze durchging! |
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MAX umsorgt
rührend seine
MAMA MIEZ (oben) und MAX bei den obligatorischen Streicheleinheiten. |
MORITZ ereilte im November das Schicksal vieler im Freien lebenden Katzen. Er wurde überfahren, in der Nähe des Hoftors in einer unübersichtlichen Kurve. MAX wurde mit Beginn der Geschlechtsreife kastriert und wuchs zu einem stattlichen Kater heran, der sich bis zum Tod seiner Mutter immer in deren Nähe aufhielt. Etwa vier Jahre später begannen sich die Augen von MAMA MIEZ einzutrüben. Erst das rechte, dann das linke, und nach rund 12 Monaten war sie komplett blind. (Aus medizinischer Sicht war da leider nichts zu machen.) Zusätzlich verlor sie nach und nach ihr Gehör und die Zähne. Trotzdem kam sie überraschend gut mit diesen „Handicaps“ zurecht. Sie „fühlte“ mich kommen, lief mir entgegen. Sie roch das speziell für sie aufbereitete Futter und fraß ohne Hilfe, sie leckte und pflegte ihr Fell, bis es glänzte, suchte dann zielsicher ihren Schlafplatz auf. Ich hatte sie aus Sicherheitsgründen im Stallinneren einquartiert, und sie ging nur unter Aufsicht mit nach draußen, wenn ich da war. Sie legte sich dann auf eine Decke in die Sonne, begleitet von ihrem Sohn MAX, der sie dort hingebungsvoll von oben bis unten leckte, um sich dann wärmend dazu zu legen. MAMA MIEZ schien mit ihrer Situation zufrieden, hatte sich bestens damit arrangiert. Das Größte für sie und mich waren dann immer die Zeiten, die ich zusammen mit ihr verbrachte, und auch ich freute mich täglich auf's Neue, sie wohlbehalten wieder zu sehen. Nach wie vor zart und zierlich rührte sie mein Herz, und ich weiß nicht warum, aber ich liebte sie ganz besonders. Trotzdem beschäftigte mich der Gedanke, ob sich MAMA MIEZ vielleicht quält, obwohl es dafür keine Anhaltspunkte gab. Im Gegenteil, sie schien glücklich und zufrieden mit MAX und mir. Der Tierarzt, dem ich sie vorstellte, um sicher zu sein, bestätigte, dass MAMA MIEZ nicht krank sei, nur eben alt und daher ein Pflegefall, wie man bei einem Menschen sagen würde. Sie hätte noch ein sehr starkes Herz und sei in hervorragendem Gesamtzustand. Natürlich müsste er sie einschläfern, wenn ich sie nicht mehr versorgen könnte oder wollte, aber eigentlich sähe er dazu keine Veranlassung.
Ich war erleichtert,
obwohl ich genau diese Auskunft erwartet hatte. Natürlich pflegte
ich MAMA MIEZ weiter mit großer Begeisterung und achtete peinlichst
genau darauf, dass es ihr an nichts fehlte. Bis, ja bis eines Tages,
genau am 5. November 1997, MAMA MIEZ aus meinem Stall verschwunden
war.
Wir hatten keine
Erklärung dafür. Ich war mir sicher, dass ich nicht vergessen hatte, sie
spätnachmittags, als ich den Stall verließ und nach Hause fuhr,
nach drinnen zu bringen und die Tür gut zu schließen. Aber wohin
kann eine blinde, taube, orientierungslose Katze gehen, wenn Türen und Fenster
verriegelt sind? |
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Auch MAX muss gespürt
haben, dass etwas nicht stimmte. Er jammerte unaufhörlich und lief
unruhig und planlos hin und her. Erst viel später begriffen wir,
dass er wohl Zeuge eines schrecklichen Vorfalls gewesen sein musste.
Mir war klar, dass ich MAMA MIEZ finden musste, sonst würde sie jämmerlich verhungern oder
erfrieren.
Wir sahen MAMA MIEZ
nie wieder! |
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so fanden wir den toten MAX
aber lebendig bleibt er in Erinnerung |
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Eigentlich wäre hier
die Geschichte von MAMA MIEZ, MAX und MORITZ zu Ende, wenn da nicht
der Zufall gewollt hätte, dass wir doch noch erfahren, was mit MAMA
MIEZ geschehen war:
Am 29. April 2000
wurde unsere Tochter Claudia nach einem Fußballspiel von einer ihrer
Kolleginnen heimgefahren. Der Weg führte direkt an meinem Stall
vorbei, und Claudia bat Anja, am Stall aussteigen zu dürfen, damit
sie mit mir heimfahren könne. Anja war daraufhin höchst erstaunt
darüber, dass „die blonde Frau mit dem roten Auto“ (sie kannte
mich!) ihre Mutter sei und sagte (in etwa wörtlich):
Jetzt wussten wir endlich, was mit MAMA MIEZ passiert war, und warum wir sie nie gefunden hatten.
Sie wurde erschlagen
und hatte noch nicht einmal einen richtigen
Namen.
MAMA MIEZ, wir trauern
noch heute und schämen uns für deine Mörder. (Sept. 2006) |
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