TIGER LILLY      die Freche     (*04/2001)    

 


Sie wurde mir im April 2001 gebracht von Bekannten, denen ich kurz zuvor zufällig die traurige Geschichte von
MAMA MIEZ erzählt hatte.  Sie hatten bei einem ihnen bis dato unbekannten Landwirt nachfragen wollen, ob dieser ihnen Heu und Stroh für die Tiere ihres Wanderzirkusses liefern könne und betraten den Hof gerade, als dieser die vier etwa drei Wochen alten offensichtlich unerwünschten Babykatzen mit beiden Händen in der Regentonne untertauchte.

Sie nahmen die Situation zwar schnell richtig auf, kamen aber zu spät, um das Leben aller vier Babys zu retten. Nur eines, eine grau getigerte Kätzin, kam davon. Diese brachten sie mir mit den Worten: „für Mama Miez“!

TIGER LILLY, wie wir sie nannten, war eine der bedauernswerten Kreaturen, die seit Generationen keinerlei menschliche Fürsorge kennengelernt hatten.

Nach der ersten Fütterung mit Aufzuchtmilch, sie kannte noch kein Nassfutter, wurde sie von Parasiten befreit. Ich entfernte zwölf Zecken und mehrere Hundert Flöhe, ungezählte Würmer kamen später dazu. Und das bei weniger als 300 Gramm Baby! Ganz zu schweigen von stumpfem Fell, trüben Augen und Durchfall.

Aber die „Null-Acht-Fünfzehn“ grau getigerte Kleine war eine Kämpfernatur! Sie erholte sich rasch und wickelte bald ihre Menschen und hauptsächlich unseren Kater NICO um den Finger. Wir waren entzückt von ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung, und Nico erst! LILLY hatte eine unwiderstehliche Art, Kontakt aufzunehmen, indem sie NICO, auf den Hinterbeinen stehend, mit langer Pfote auf den Kopf klopfte und anschließend einen Sprung nach vorne machte, das Schwänzchen am Ende leicht gekrümmt und lockend wie ein Zeigefinger „komm doch mit zum Spielen!“, und NICO, anstatt dem frechen Mädchen Manieren beizubringen, ließ sich das nicht zweimal sagen!

NICO und LILLY beim Spiel auf dem Feldweg


NICO kümmerte sich rührend um seine neue Liebe und umsorgte sie wie
AUGUST damals seinen FRITZ PIESEL Sie spielten oft ausgelassen im Garten oder am Feldrand, was LILLY zwar viel Spaß bereitete, aber auch oft als zu aufdringlich empfand.

Sie versuchte mehrfach, sich davon zu stehlen, ohne dass Nico es bemerkte, es gelang ihr aber erst mit knapp sechs Monaten, als sie seiner Fürsorge nicht mehr bedurfte.

Etwa zu dieser Zeit wurde sie kastriert, „baggerte“ aber trotzdem jeden streunenden Kater auf unserem Grundstück an. So, wie sie Nico  zum Spielen aufgefordert hatte, machte sie es auch mit den wildfremden. Und keiner von ihnen hat sie je angefaucht oder gar angegriffen, weil sie ihnen nicht den nötigen Respekt entgegenbrachte. Das lag ganz offensichtlich an ihrer charmanten, unwiderstehlichen Art, die wohl auch Vierbeiner zu schätzen wissen.
 

Einer der extrem scheuen wild lebenden Kater, wir nannten ihn später PHANTOM, war schon längere Zeit öfter bei uns zu Gast und ernährte sich, wenn niemand in der Nähe war, von dem für ihn und andere Streuner auf unserer Terrasse bereitgestellten Futter. Es dauerte zwei Jahre, bis er begriff, dass ich ihm wohlwollend gesonnen war, und am Fressnapf sitzen blieb, wenn ich dazu kam.

LILLY hingegen brauchte gerade mal eine Woche, ihn davon zu überzeugen, dass sie ein schönes Zuhause hat und lud ihn ein, reinzukommen. Ich hatte das Glück, das beobachten zu dürfen:
PHANTOM stand vor der geöffneten Terrassentür. Mit langem Hals blickte er nach innen. Er wollte wohl rein, traute sich aber nicht. Da kam LILLY, streifte ihr Köpfchen genau unter seinem Kinn, dann den Körper und zum Schluss den Schwanz, ging mit lockendem Schwanzende über die Türschwelle nach innen und schaute über die Schulter nach, ob er verstanden hatte. Aber so schnell geht’s nun mal nicht. Sie lief also wieder raus, erst hinter ihn, dann quer davor, um sich erneut in gesamter Länge an seinem Kinn zu reiben. Wieder lockte sie ihn mit zuckendem Schwanzende und schien ihm zeigen zu wollen, dass alles in bester Ordnung ist, und er reinkommen darf.

Sie schaffte es nach mehreren Versuchen, dass er alle vier Pfoten in die Küche setzte und dort Platz nahm. Nach einigen Tagen betrachtete er es als selbstverständlich, ins Haus zu kommen, und ab sofort war er für LILLY nicht mehr interessant! Sie hatte ihre Mission beendet. Das war’s!

LILLY war im Übrigen auch ohne Scheu vor Fremden (leider!), und ich beobachtete oft, wie sie sich dem Briefträger oder den Müllabholern vor die Füße legte, mit Bäuchlein nach oben, und darauf wartete, eben dort gestreichelt zu werden. Auch der Schornsteinfeger, der Strom- und Gasmann brauchten die Hauseingangstür nicht zu suchen. LILLY geleitete sie jedes Mal, hoch erfreut, wieder eine neue Eroberung gemacht zu haben. 
 

LILLY hätten wir wegen ihrer Ausstrahlung schon unzählige Male vermitteln können, aber dafür war es längst zu spät, hatte sie doch schon vor langer Zeit unsere Herzen erobert!

….und so kriegen wir es gedankt!.......

 


Du bist und bleibst eben unsere süße kleine freche LILLY!

 

(Sept. 2006)