der
Kampfkater
(*08/1995)
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Am 15. September 1995
hatte ich eine Fahrt in die Nähe von Alsfeld gemacht, bei der es
eigentlich um Pferde ging und nicht um Katzen!
Aber nicht ICH finde
die bedürftigen Samtpfoten, nein – sie finden MICH. Warum auch immer
das kleine dicke weiße Fellknäuel mit den schwarzen Flecken gerade
dann herzerweichend miaute, als ICH vorbeikam, und zwar so laut,
dass ich ein verletztes erwachsenes Tier vermutete, weiß ich bis
heute nicht so genau. Vermutlich aber, weil wir zu diesem Zeitpunkt
erst
KITTY
und
AUGUST sowie im
Pferdestall
MAMA MIEZ und
MAX hatten.
Am Ende meiner Suche
nach dem Ursprung des Miauens fand ich eine Handvoll Katze im
Schutze eines Büschels Unkraut. An einer einsam gelegenen
Bushaltestelle direkt an der B52, wo ich nur zufällig hielt, hatte
jemand den Winzling ausgesetzt. Mit seinen knapp drei Wochen konnte
er wohl kaum alleine dort hingelaufen sein!
Natürlich packte ich
den Notfall –wieder ein Katerchen- in mein Auto und fuhr Richtung
Heimat.
Gerade, als ich zum
wiederholten Male innerhalb von 10 Minuten dachte, dass der Kleine
wohl Hunger haben müsste, brachte er sich selbst lautstark in
Erinnerung.
Was nun? Die Geschäfte
sind längst zu. Aber ja, die nächste Tankstelle! Die war noch rund
60 km entfernt. Dort hatten sie zwar kein Katzenfutter, aber
Kondensmilch und Strohhalme. Das ging besser, als ich zu hoffen
gewagt hatte. Ich gab die Milch mit dem Strohhalm vorsichtig in sein
Mäulchen ein, und er schluckte sie zufrieden
runter. Auf dem Rücken liegend entsorgte er anschließend den überflüssigen Inhalt seiner Blase auf meinem Schoß, begann zu schnurren und schlief mit Milchtritt aller vier Pfötchen schnell ein. |
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Endlich zuhause
angekommen, präsentierte ich stolz den kleinen pummeligen
Notfall.
Mein Mann beschloss, ihn Fritzi zu nennen,
was ich ablehnte. Ich war mehr für Piesel, da er mich im Auto
nassgepieselt hatte, und überhaupt: Fritzi? Da meldete sich
Katerchen höchst persönlich zu Wort, nein, eher zu Hose, indem er
die Hosen meines Mannes genau so „missbrauchte“, wie zuvor die
meinen. (Wer einer kleinen Katze den Bauch streichelt, ist selbst
dran schuld, wenn die Hose nass wird!)
Also stand für mich
fest, er will Piesel genannt
werden. Als Kompromiss einigten wir uns auf FRITZ PIESEL. |
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Wie sich bald herausstellte, kannte er noch kein Katzenfutter. Mit sechs Fläschchen Aufzuchtmilch täglich und einigen Bröckchen Katzenfutter zwischendrin, hatten wir das binnen weniger Tage im Griff, sodass er schon bald alleine fraß. Auch die Sache mit den Ausscheidungen, wie es so schön heißt, klappte bald ohne Bauchreiben, sozusagen von ganz alleine. FRITZI (als Rufname ist FRITZI zugegebenermaßen besser als FRITZ PIESEL) benutzte auch ohne Diskussionen das Katzenklo, sah darin anfangs aber ziemlich verloren aus. Wir hoben seinen dicken Popo noch etwa eine Woche über den Rand, bis er es alleine schaffte.
FRITZI
wurde zur „Schmusebacke“ und zum „Kampfkater“ gleichzeitig,
wobei er da durchaus seine Unterschiede in der Person machte.
Schmusebacke war er ab dem Moment, wo es ihm gelang, alleine
auf die Couch und somit den Schoss meines Mannes zu kommen
(noch heute verbringt er jede Minute, die mein Mann auf der
Couch sitzt, auf dessen Schoss und folgt ihm selbst zur
Toilette!), und Kampfkater ab dem Moment, als er in der Lage
war, auf meine Spiele einzugehen und entsprechend zu
reagieren. Dann passierte es schon mal, dass er unvermittelt
hochsprang, meinen Arm mit beiden Vorderpfoten festhielt und
herzhaft zubiss. Nicht böse mit angelegten Ohren, nein,
eher spielerisch, was anfangs auch gar nicht weh
tat. Man kennt das ja von Hunden auf dem Übungsplatz: der Trainer hält seinen dick gepolsterten Arm vor den Körper, und der Hund beißt zu! Eben, das muss FRITZI irgendwann mal gesehen haben, denn genau das konnte ich im Spiel mit ihm auch machen! Wenn er „aufgedreht“ war, und ich ihm meinen Arm mit dem Wort „fass!“ präsentierte, sprang er hoch und biss zu. Auf Kommando! Ja, andere Leute haben einen Kampfhund, wir haben einen Kampfkater! Wer kann das schon von sich behaupten! Alles in Allem hatten wir viel Spaß mit FRITZ PIESEL. KITTY war ihm wohl gesonnen, spielte ab und an mit ihm, hielt sich sonst aber bedeckt. ONKEL AUGUST hingegen hatte stets die Augen offen, besonders, wenn FRITZI nach draußen ging. Und auf unsere Bitte an ihn „hol mal FRITZI rein“, stiefelte AUGUST los und geleitete dann nachdrücklich den übermütigen Jungkater ins Haus. So frech FRITZI auch im Haus war, so scheu war unser Kampfkater, wenn er draußen war. Ab etwa dem zweiten Lebensjahr ging er bei Tageslicht überhaupt nicht mehr vor die Tür. Nur noch in der Nacht, allerdings nur bis zum Morgengrauen. Er war die erste Katze, die gelernt hatte, über einen Baum auf unseren Schlafzimmerbalkon wieder ins Haus zu kommen. Not macht nun mal erfinderisch! (Später bauten wir eine Katzenklappe ein.) Ja, und dann kam jener unsägliche Tag, an dem FRITZ PIESEL verschwand. Wir hatten an einem Samstag im Januar 2001 die bittere Erfahrung machen müssen, dass unser August FIP im Endstadium hatte. Wir wollten also alle anderen Katzen zumindest testen lassen, und ich machte gleich Montags mit FRITZ PIESEL den Anfang.
Zum Tierarzt geht man
ja tagsüber, wenn es sich nicht gerade um einen Notfall handelt. Was
ich allerdings unterschätzte, war, dass FRITZI bei Tageslicht
draußen Angst hatte! Schon im Auto war sein Heulen so jämmerlich,
dass es mir fast das Herz brach. Vom Auto zur Tierarztpraxis waren
nur fünf Häuser. Kurz vor dem Eingang zur Praxis geriet er aber
plötzlich so schlimm in Panik und randalierte so sehr in seinem
Transportkäfig, dass die Gittertür regelrecht abplatzte, FRITZI
blindlings auf die Straße sprang und wie ein weiß-schwarzer Blitz
binnen Bruchteilen von Sekunden in einem Garten zwischen zwei
Häusern verschwunden war.
Ich höre noch heute
seine Krallen über den Asphalt wetzen…..
Rufen,
hinterher rennen, unter jeden Busch, in jede Ecke schauen, jeden
Stein umdrehen, selbst auf fremden Grundstücken und in fremden (das
war mir egal!) Gärten, alles war erfolglos. Nach mehrstündiger Suche
fuhr ich tief traurig nach Hause und weinte.
Sobald die
Abenddämmerung anbrach, waren mein Mann und ich wieder auf der Suche
nach unserem FRITZI. Wir klingelten bei den Anwohnern, damit wir die
Gärten (mit Taschenlampen) systematisch durchsuchen durften, wir
sprachen Spaziergänger an, riefen wieder und wieder nach ihm. Ohne
Erfolg! Im Morgengrauen fuhren wir die acht Kilometer zu unserem
Wohnort zurück und fragten uns, ob er wohl versuchen würde, sich
nach Hause durchzuschlagen.
Stunden später ging es AUGUST
zusehends schlechter. In der darauf folgenden Nacht mussten wir ihn
von seinen Leiden erlösen.
Wir hatten binnen zwei
Tagen zwei Katzen verloren!
Schon für AUGUST
mussten wir FRITZI einfach wieder finden, und schöpften alle erdenklichen
Möglichkeiten aus: Anzeige in der Zeitung, Aushänge in den
umliegenden Tierarztpraxen, an Geschäften, rund 300 Zettel in die
Briefkästen, TASSO Suchmeldung und Plakate, Gespräche mit
Spaziergängern, Gespräche mit den Reitern des angrenzenden
Reiterhofes, sogar im Radio wurde FRITZI gesucht! Viele liebe
Tierfreunde versprachen, die Augen offen zu halten. Wir verfolgten
jeden Hinweis von Leuten, die ihn gesehen haben wollten und suchten
weiterhin Nacht für Nacht stundenlang die ganze Gegend ab. Aber alles vergeblich. Keine
Spur von ihm! |
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und Zeitungssuchmeldung:
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Nach mehr als drei
Monaten reduzierten wir unsere Suche auf zwei- bis dreimal pro
Monat, gaben aber die Hoffnung nie auf! Und es kam tatsächlich der erlösende Anruf am 2. März 2003 nach über 2 Jahren (genau 769 Tagen), dass FRITZI gefunden und aufgrund seiner Tätowierung identifiziert worden war. Er hatte eine Dame, nur 8 Häuser vom Tierarzt entfernt und nur 4 Häuser von der Stelle des Abhauens entfernt, um Futter angebettelt. Diese entdeckte seine Tätowierung in den Ohren und veranlasste den Rest. So konnten wir unseren Kampfkater unverletzt und wohlbehalten wieder in die Arme schließen.
(Aufgrund verschiedener Tatsachen müssen wir allerdings davon
ausgehen, dass FRITZI NICHT, wie von der "Finderin"
behauptet, gerade zugelaufen war, sondern dass er die ganze Zeit in
ihrem Haus lebte. Da unser Kater nicht verwildert oder
heruntergekommen, sondern sehr gepflegt und gesund wieder zu uns
kam, haben wir keine weiteren Recherchen angestrengt. Wir waren
einfach nur froh, dass er wieder da war!) Zurück in seinem neuen alten Zuhause benahm er sich ab der ersten Minute, als sei er niemals weg gewesen; er erkannte seine alten Freundinnen KITTY und JIFFY wieder und schloss sich auch den während seiner Abwesenheit dazugekommenen NICO, LILLY und PHANTOM an. Mit PHANTOM verbindet ihn seither sogar eine enge Freundschaft. |
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FRITZI ist heute im 12. Lebensjahr und erfreut sich noch immer bester Gesundheit, er ist unverändert Kampfkater mit mir und Schmusebacke mit meinem Mann.
Nur das Rausgehen bei Tageslicht macht ihm seither nichts mehr aus! |
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| (Sept. 2006) |
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