“ONKEL“ AUGUST  †       (07/1991 – 01/2001)

 

Ende August 1991 berichtete unser Sohn aufgeregt von einem Katzenbaby, das am Sammelplatz für Müllcontainer gleich neben der Feuerwehr „rumschreien“ würde.

Seine Mutter läge tot neben einem Container im Busch, und das Baby würde versuchen, aus den Zitzen noch Nahrung zu erhalten. Es sei aber schon in der Lage, Katzenfutter, das ein Klassenkamerad dort hinstellte, aufzunehmen. Ansonsten könne man das kleine Fellknäuel nicht anfassen, da es faucht, kratzt, beißt und sich vehement zur Wehr setzt.

Das Baby versuchte natürlich vergeblich, die Milchquelle der Mutter zu nutzen; es war ein erschütternder Anblick, das Kleine an seiner bereits aufgedunsenen Mutter nuckeln zu sehen. Mit einem Schälchen Futter und dicken Handschuhen gelang es uns dann, das Baby beim Fressen zu greifen. Es wehrte sich mit allen Kräften und fauchte, was das Zeug hielt, aber keine Chance!  

Es war ein Katerchen, ca. 4 Wochen alt, und er hatte riesige, auffallend große Augen! 

Da wir ihn am 31. August 1991, dem 14. Geburtstag unseres Sohnes, bei uns aufnahmen, bekam er den Namen AUGUST.


Im Zeitungsladen gegenüber der Feuerwehr erfuhr ich später, dass sich die Mutterkatze schon längere Zeit bei den Müllcontainern aufgehalten hatte und etwa drei Tage, bevor wir AUGUST aufnahmen, beim Überqueren der Straße vom Linienbus angefahren worden war. Sie muss sich dann mit ihren schweren inneren Verletzungen zu ihrem einzigen Baby geschleppt haben (weitere wurden trotz intensiver Suche nicht entdeckt), wo sie im Schutz eines Busches, direkt neben der Ortsdurchgangsstraße verendete. 

AUGUST entwickelte sich prächtig, seine Angst legte sich ganz schnell, und auch der Tierarzt hatte nichts an ihm auszusetzen.        

Schon bald ging er mit den anderen in den Garten, liebte es, dort zu toben, alles zu erkunden und anschließend mit uns zu schmusen!
 

           


Seine besondere Liebe galt allerdings einer blauen Wollbommel, die er wohl als "sein Baby" betrachtete, und die ihm auch den Beinamen „Onkel“ einbrachte. 
 

              


Er trug sie spazieren, vorsichtig im Genick gepackt, wobei er zusätzlich ständig beruhigende Laute von sich gab. Er legte sein Baby ins Bett, wickelte sich, um es zu wärmen, schnurrend drum herum und stand erst wieder vorsichtig auf, wenn es eingeschlafen war, um seiner eigenen Wege zu gehen. 

Er fing Mäuse auf dem Feld, die er sorgsam „erklärte“; erst brachte er ihm tote Babymäuse, die er vor den Augen seines Babys ordnungsgemäß vom Kopf her bis zum Schwanz auffraß, später dann die ausgewachsenen lebendigen, denen er eine Demonstration der Mäusefangtechnik folgen ließ. 

Oft genug fanden wir auch das blaue Baby morgens kopfüber im Futternapf hängend, anschließend sorgfältig sauber geleckt durch Onkel AUGUST.  Auch im Katzenklo verbrachte es so manche Stunde. Was sein muss, muss eben sein!  

Fremde durften übrigens seinem Baby nicht zu nahe kommen, da zeigte er seine Vaterpflichten, wurde zur Furie, und beschützte die blaue Bommel immer höchst erfolgreich.  

Da dieses „Ersatzbaby“ im Laufe der fürsorglichen Pflege von Onkel AUGUST immer weniger wurde, wurde es zwangsläufig  eines Tages entsorgt, was AUGUST in ein tiefes Loch der Verzweiflung stürzte, obwohl er da schon erwachsen war!   
 

                              (AUGUST beobachtet FRITZ PIESEL, der ihn gerade zum Spielen auffordert)
 

Zum Glück für ihn und uns dauerte der Zustand nicht lange an; Onkel AUGUST übernahm fast übergangslos die Pflege eines Jungtieres, FRITZ PIESEL, das ich gerade gefunden hatte, und zwar in genau der zuverlässigen, engagierten, fürsorglichen und höchst effektiven Art und Weise, wie wir es von ihm gewohnt waren.


Überhaupt verstand sich AUGUST hervorragend mit allen anderen Katzen. Er war unser dritter „Notfall“ nach
KNUBBEL und KITTY.. Später lernte er noch NICO VOM VOGELPARK  und andere kennen und erwies sich stets als „guter Onkel“. Selbst  mit den Streunern, die tagtäglich in großer Anzahl unseren Garten aufsuchten, hatte er keine Probleme. (Eine Ausnahme war allerdings, wie bereits beschrieben, wenn sein blaues Baby ihn begleitete, da durfte keine andere Katze auch nur in die Nähe kommen! Und sie hatten wirklich Respekt vor AUGUST, klemmten die Schwänze ein und verschwanden!) 

Mit Menschen war er sehr vertraut, lag gern auf dem Schoß, ließ sich sogar von Besuchern streicheln.  Alle mochten seinen zugänglichen Charakter und wurden durch die „Riesenaugen“ in seinen Bann gezogen.      

AUGUST war natürlich rechtzeitig kastriert worden und wurde regelmäßig entwurmt, entfloht und geimpft. Darüber hinaus war nie ein Tierarzt erforderlich.

 

                                                       

 

Und dann kam er doch, der Tag des Abschieds!

Im Januar 2001 fiel mir fiel auf, dass AUGUST fast gar nichts mehr fraß, trotzdem dicker und dicker wurde. Ihm war vom Verhalten her nichts anzumerken, aber ich fürchtete Schlimmes, und bekam dann vom Tierarzt die überaus traurige Bestätigung:  FIP, Bauchraum bis zum Herz voll Wasser, keine Heilung oder Behandlung mehr möglich. Ich solle mit ihm wiederkommen, wenn „es soweit ist“, damit er nicht leiden müsse.

Das war Samstags, nur drei Tage später nahmen wir tränenreich und fassungslos, dass es so schnell gehen musste, Abschied von unserem Schatz AUGUST.

AUGUST wurde nur 9 ½ Jahre alt.
 

 

Onkel AUGUST
mit seinen „Riesenaugen“

wird uns immer liebevoll
in Erinnerung bleiben
.

 

 

 

(Sept. 2006)